❧ FeigenbaumFicus carica
Die Feige trägt in guten Jahren zweimal: die sogenannten Blühfeigen überwintern als kleine, harte Knubbel am vorjährigen Holz und reifen im Juni/Juli — das sind die besten. Die zweite Ernte bildet sich am neuen Holz und reift ab August. Genau deshalb ist ein zu radikaler Winterschnitt so ärgerlich: er kostet die ganze erste Ernte.
Botanisch ist die Feige keine Frucht, sondern ein umgestülpter Blütenstand — hunderte winzige Blüten sitzen innen, das Essbare ist der fleischig gewordene Blütenboden. Reif ist sie, wenn sie am Hals weich wird, leicht überhängt und ein Tropfen Nektar am Auge steht; nachreifen tut sie nach dem Pflücken nicht mehr. Wer eine Feige einmal richtig reif gegessen hat, kauft im Laden keine mehr.
Die Feige gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit überhaupt. Funde im Jordantal deuten darauf hin, dass sie schon vor rund 11.000 Jahren gezielt vermehrt wurde — möglicherweise noch vor Weizen und Gerste. Ihre Heimat liegt in Vorderasien und im Mittelmeerraum; Griechen und Römer nannten sie eine Speise der Götter, in Athen war die Ausfuhr besonders guter Feigen zeitweise verboten.
In der Bibel ist das Feigenblatt das erste Kleidungsstück, und der Feigenbaum steht für Frieden und Wohlstand. Nach Mitteleuropa kam sie mit den Römern, verschwand im Mittelalter wieder und hat sich erst in den letzten Jahrzehnten — mit den milderen Wintern — nördlich der Alpen wieder wirklich etabliert. Ein Feigenbaum im Garten ist damit gewissermaßen ein Klimazeuge.